„Papa, warum spielen die wieder so gut?“

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Darf man das schon Trendwende nennen? Ich weiß nicht recht. Das 3:1 gegen Augsburg zeigt zwar, dass wir wieder schönen Fußball spielen und damit gewinnen können. Die Leistungssteigerung von peinlich schlecht (HSV) zu überraschend gut (Frankfurt, Augsburg) kommt aber so unerwartet, dass ich ihr noch nicht trauen möchte. 

Wenn mein drei Monate alter Sohn schon die Fähigkeit der Sprache entwickelt hätte, könnte er mir so einige Fragen stellen, auf die ich nur schwer eine Antwort finden würde. Zum Beispiel: „Papa, was ist eigentlich ein Pupsi und warum freuen Mama und du dich immer darüber?“ oder „Papa, warum hast du immer so kleine Augen morgens?“

Am Freitag habe ich mit ihm unser Spiel gegen Augsburg geguckt – Männer-Abend im Urlaub an der Nordsee. Das wäre mal wieder ein idealer Zeitpunkt für eine dieser Fragen gewesen. „Papa, warum sind die nur Achter? Die sind doch voll gut.“ Ich hätte wohl geantwortet: „Ja, mein Sohn. Das weiß ich leider nicht und weißt du was? Das wissen die wahrscheinlich selbst nicht.“

Es ist doch so: Dass wir zwei Wochen nach dem peinlichen 0:1 gegen den HSV und dem von Sky ja schon beschlossenen Rauswurf unseres Trainers tatsächlich wieder auf die Plätze fürs dicke internationale Geschäft schielen, kommt wohl überraschender als jedes Bäuerchen mit Land. Ich mag nicht so recht glauben, dass sich innerhalb von zwei Wochen alles vom Schlechten zum Guten gewendet hat. Nennt das Skepsis, nennt das Meckerei, nennt das von mir aus Schwarzmalerei – mir egal.

Fehlende taktische Disziplin, fehlende Torgefahr und nicht existierende Zweikampfstärke in mehreren Spielen können nicht innerhalb weniger Tage durch aggressives Pressing, schön herausgespielte Tore und Bissigkeit in den Zweikämpfen ersetzt werden. Das geht mir zu schnell und die Begründung dafür ist zu einfach. Es kann nicht nur am Trainer liegen, genauso wenig an der Rückkehr von Bellarabi und Bender. Und schon gar nicht an der, zugegebenermaßen, überragenden Leistung eines 17-jährigen Kai Havertz. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Deswegen traue ich der ganzen Sache noch nicht so recht. Ich freue mich natürlich, dass es wieder läuft und habe auch richtig Bock auf nen geilen Champions-League-Abend am Dienstag. Nur bin ich vorsichtig mit verfrühten Jubelstürmen. Denn diejenigen, die vor ein paar Wochen noch aus kräftiger Kehle „Roger raus“ gefordert haben, rechnen jetzt schon wieder den Abstand zu den Plätzen drei und vier aus. Erklärt das mal euren Kindern.

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