Alles auf Anfang – mal wieder!

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So, dann drücken wir mal auf den Restart-Knopf. Heute Abend heißt es: Alles auf Anfang. Mal schauen, zu was die Trainerentlassung gut war. Vielleicht haben die Spieler, vielleicht haben wir Fans diesen Schritt gebraucht. Emotional und sportlich haben wir uns zuletzt in Richtung Armageddon bewegt. Vielleicht war die Entlassung von Roger Schmidt aber auch nur die erneute oberflächliche Korrektur von viel tiefer sitzenden Problemen. 

Es ist jetzt gut 2 1/2 Jahre her, da habe ich auf einer Hochzeit eine kleine Rede gehalten. Zeitgleich hat der SVB in Dortmund 2:0 gewonnen. Es war das erste Spiel unter Roger Schmidt. Vergangene Woche war an gleicher Stelle nach dem 2:6 Schluss mit Roger in Schwarz-Rot. Das war damals meine eigene Hochzeit und ich hatte das Gefühl, dass Bayer auch mit Roger endlich mal was Festes gefunden hatte.

Wenn wir uns heute Abend das Trikot überziehen und uns auf den Weg ins Stadion machen, erwartet uns ein Neuanfang an der Seitenlinie. Das fühlt sich irgendwie nicht richtig an. Für mich ist die Trainerentlassung kein Befreiungsschlag, sondern ein Rückschritt. Wir sind wieder dort, wo wir vor 2 1/2 Jahren waren.

Natürlich haben wir andere Spieler und einen besseren Kader als damals. Schmidt hat seine Spuren hinterlassen und Talente wie Tah, Havertz und Henrichs geformt. Doch sein Meisterstück war die Spielidee vom aggressiven Überfall-Fußball. Damit ist er, damit sind wir gescheitert. Mal wieder.

Wir möchten offensiven Fußball spielen lassen und begeistern. Dementsprechend suchen wir uns Trainer, die diese Idee auf den Rasen bringen sollen. Das Problem ist: Nach einem guten Start geht’s regelmäßig den Bach runter und keiner weiß, woran es liegt.

Wir sind mittlerweile zu einem Verein geworden, in dem sich junge Trainer richtig schön die Karriere versauen können. Skibbe, Labbadia, Hyypiä, Schmidt: Alle sind sie irgendwann an den Ansprüchen von Bayer 04 gescheitert. Natürlich dürfen wir nicht zufrieden sein, wenn wir 2:6 gegen Dortmund verlieren und auf Platz zehn stehen. Doch das Ergebnis war ja nur das Produkt einer langen Fehlerkette, die vor mehr als 2 1/2 Jahren begann – bei der Trainerauswahl.

Schmidt ist meiner Meinung nach ein hervorragender Trainer und ich mochte ihn irgendwie als sturen Querkopf. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass er es schafft. Doch seine Spielidee hatte zu wenig Substanz. Einmal durchschaut, standen wir ohne Plan B da. Das ist nicht nur sein Fehler, sondern auch Sache der Mannschaft. Intelligente Spieler können auf Spielsituationen reagieren und handeln. Dafür brauchen sie keinen Ingenieur an der Seitenlinie. Genauso muss man auch die Entscheidungsträger fragen: Wie intensiv scoutet ihr Trainer? Dass Schmidt Offensive kann, war ja bekannt. Und was sonst so?

Jetzt darf sich Tayfun Korkut mal eine halbe Rückrunde austoben und für andere Jobs empfehlen. Eine Chance hat er verdient. Er wirkt sehr sympathisch und fokussiert und scheint richtig Bock auf die Aufgabe zu haben.

Meiner Meinung nach sollte das aber keine Lösung auf Dauer sein. Wir brauchen einen Papa als Trainer! Einen, zu dem die Jungs aufschauen, der schon ein paar Schlachten gewonnen hat. Wenn ich Namen wie Julian Nagelsmann oder Martin Schmidt lese, wird mir anders.

Bitte macht nicht wieder den Fehler und lasst einen Trainer-Noob eine hochtalentierte und offenbar nicht ganz einfache Mannschaft coachen!Ich setze mich auch nicht nach ner Runde Zugsimulator am PC in nen ICE und düse mit 300 durch die Republik. Das geht am Anfang vielleicht gut, doch irgendwann fährt man das ganze Ding vor die Wand.

In diesem Sinne: Lasst uns das Beste draus machen und diese verkackte Saison irgendwie noch gut über die Ziellinie bringen.

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