Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

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Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Der Regen prasselt monoton gegen das Fenster, mein Hintern tut vom Sitzen weh und die Zehen sind eisig kalt. Die folgenden Zeilen werden an meinem bemitleidenswerten Zustand wohl eher nichts ändern können. Denn es geht um Bayer 04 Leverkusen im Winter 2018.

Es ist nicht umsonst einige Wochen her, dass ich meinen letzten Beitrag geschrieben habe. An der sportlichen Situation hat sich seitdem nicht viel verändert, an meinem Umgang damit schon. Ärger ist Resignation gewichen.

Unseren Verein umgibt gerade eine Trägheit, die schwer zu greifen ist. Wir spielen nicht schlecht genug, damit es knallt. Aber auch nicht gut genug, um uns Hoffnung auf ein baldiges Ende der Krise machen zu dürfen. Wir befinden uns irgendwo dazwischen.

nur noch wegen wurst, bier und freunden ins stadion

Ich war auch am Donnerstag einer von den 16.000, die sich das Spiel gegen Rasgrad angetan haben. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil ich Lust auf ein Bierchen und ne Bratwurst mit ein bisschen Fußball dabei hatte. Die elf Spieler auf dem Platz – nur Statisten an einem kalten Europapokal-Abend.

Für Emotionen gehe ich gerade jedenfalls nicht ins Stadion. Die sind in den vergangenen Wochen irgendwo auf der Strecke geblieben, ja ich würde sogar sagen: Der Verein hat es in den vergangenen Wochen geschafft, sich emotional von mir zu entkoppeln. Beziehungsstatus: Es ist gerade etwas kompliziert.

der verein vergisst mich als fan

Und das liegt nicht nur an der sportlichen Situation, sondern vor allem an dem Drumherum. Denn ob Spitzenteam oder Abstiegskandidat – jeder Verein braucht etwas, das Fans und Team zusammenschweißt. Ein gemeinsames Ziel. Ein gemeinsames Erlebnis. Eine gemeinsame Denkweise. Denn, wenn man zusammenhält, lassen sich Krisen leichter durchstehen. Doch der Verein nimmt mich auf diesem Weg nicht mit. Er macht es mit sich selbst aus.

Er entzieht sich mir und möchte offenbar nichts von negativen Emotionen wissen. Diesen Eindruck habe ich jedenfalls durch die Außendarstellung. Das ist nicht authentisch, sondern das ist einfach nur noch glatt gebügeltes und unglaubwürdiges Krisenmanagement. Und deswegen weiß ich gerade nicht, wohin mit meinen Gefühlen. Dabei hätte ich meinem Verein viel zu sagen. Das wäre sicher nicht unbedingt angenehm – aber sich mal ordentlich zu fetzen, gehört doch auch zu einer guten Partnerschaft.

gleichgültigkeit statt gemeinschaftsgefühl

Stattdessen gehe ich ins Stadion und schaue mir mit einer gewissen Gleichgültigkeit an, wie der Verein einfach nicht von der Stelle kommt. Nein, egal ist es mir natürlich nicht. Es tut weh, dass wir die Saison so vor die Wand fahren. Aber ich kann mich mit der Art und Weise, wie der Verein (nach außen) mit dieser Krise umgeht, einfach nicht identifizieren. Da wird kein Tacheles geredet, da wird kein Zusammenhalt heraufbeschworen, da werden keine Entscheidungen getroffen.

Das beste Beispiel dafür waren doch die Aussagen von Kevin Volland nach dem katastrophalen Spiel in Leipzig. Endlich war da mal jemand, der den Mund aufmacht . Da habe ich mir gedacht: Du hast zwar richtig scheiße gespielt, Kevin. Dafür hast du aber etwas geschafft, was hier sonst keiner tut. Du warst ehrlich und authentisch! Und zack, wird er dafür von Rudi Völler vor der laufenden Kamera abgestraft.

ich brauche ein lebenszeichen von meinem verein

Dabei brauchen wir doch genau das: authentische Spieler und Verantwortliche, die uns Fans mitnehmen können. Die selbst, wenn es mal schlecht läuft, die Dinge beim Namen nennen. Die uns zeigen, dass auch sie unzufrieden sind mit der Situation. Wir brauchen keine Verantwortlichen, die uns mit verschachtelten Floskelsätzen ruhig stellen möchten!

Ich weiß natürlich nicht, was in der Kabine besprochen wird. Ich weiß nur, dass Emotionen zum Fußball dazugehören. Und dafür braucht es die Fans auf der Tribüne – ob in Feierlaune oder mit Abstiegsangst. Und wenn das gemeinsame Ziel in dieser Saison nur der Klassenerhalt ist, dann soll es so sein. Aber dafür brauche ich ein Lebenszeichen von meinem Verein. Etwas, mit dem ich was anfangen kann. Etwas, das mir zeigt: Dem Verein geht diese Situation verdammt nochmal genauso auf den Sack wie mir!

Ein Anfang wäre es doch schon mal, wenn die Mannschaft vor dem Anpfiff geschlossen zur Nordkurve läuft und sich von den Fans pushen lässt. Ich glaube, das würde mir eine Gänsehaut unters Trikot zaubern. Denn diesen Zusammenhalt vermisse ich in dieser Saison bisher komplett. Genauso kann Simon Rolfes als neuer Sportdirektor ein Signal setzen, indem er zeigt: Mit mir kommt hier frischer Wind in den Laden, und es wird sich etwas ändern in Zukunft. Vielleicht ist dafür ein Trainerwechsel nötig. Dann aber bitte in der Winterpause alles auf links drehen und mit einem neuen Mann an der Seitenlinie in die Rückrunde starten!

 

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