Da hilft auch kein Yoga mehr!

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Perfektes Wetter, Bierchen in der Hand und endlich wieder Stimmung in der Nordkurve. Es hätte so schön sein können – wäre da nicht dieses Spiel, das sich Fußball nennt. Das 3:3 gegen den VfL Wolfsburg zeigte mal wieder, dass die Heimspiele in dieser Saison nicht mehr sind als eine für die Fan-Nerven ziemlich belastende Aneinanderreihung von mehr oder weniger gewollten Handlungen einiger hochbezahlter Fußballprofis mit dem Bayerkreuz auf der Brust. 

Ich war am Donnerstag das erste Mal beim Yoga. Die Doppelbelastung aus Papa- und Fan-Sein ist einfach zu viel diese Saison. Das haben meine Frau und ich wohl schlecht getimed. Beim nächsten Kind warten wir den Verlauf der Spielzeit ab, um dann in der Sommerpause kindertechnisch nachzulegen. Jetzt muss ich damit irgendwie klarkommen: Sechs Tage die Woche habe ich zu Hause Geschrei und Gepupse und an einem Tag gönne ich mir dann den totalen mentalen Absturz bei einem Heimspiel von Bayer Leverkusen. Schöne Welt!

Meine innere Mitte habe ich gestern jedenfalls komplett verloren. Gegen unsere Abwehr sind der herabschauende Hund oder die vorsichtige Kobra als wirksame Entspannungsübungen ungefähr so wirkungsvoll wie ein Mückennetz gegen eine Atomrakete. Ne, im Ernst: Wer fährt Aleksandar Dragovic bitte wieder nach Kiew? Ich hacke ungern auf einzelnen Spielern rum, aber bei dem Jungen fehlt es im Moment an allem: Ausstrahlung, Zweikampfstärke, Pass-Sicherheit, Spielereröffnung, Selbstvertrauen. Es ist mir ein Rätsel, warum er den Vorzug vor Jedvaj bekommt. Die anderen Mannschaftsteile überzeugen auch nicht, aber die Abwehr ist doch im Moment unser größter Pflegefall.

Zumindest auf der Tribüne sind wir gestern aus dem Koma erwacht. Das hat gut getan, die Nordkurve wieder singen zu hören. Die Spruchbandaktion fand ich auch klasse, weil keine Beschuldigungen im Mittelpunkt standen. Es ging um ein Zeichen der Fans in Richtung Geschäftsführung – auf einer dialogfördernden Ebene. Nein, die Formulierung habe ich aus keinem Ratgeber für „Geschäftskommunikation – wie ich mich möglichst intelligent ausdrücke und es trotzdem keiner versteht“.

Ich hoffe, dass die Mannschaft am Mittwoch gegen Darmstadt mit der Leistung der Fans nachzieht. Sonst brauche ich demnächst kein Yoga, sondern ne Delfintherapie.

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