Dann halt Meister mit 33 Siegen…

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Ich sitze hier gerade in unserer Ferienwohnung auf Rügen. Wir haben hier kein Netz, deswegen tippe ich die Zeilen vor und fahre danach mit meiner Frau über die halbe Insel und suche eine Mobilfunkverbindung. Ganz schön bescheuert. Aber mir brennt es unter den Fingernägeln. Ich will meine Gedanken zum Spiel von gestern Abend loswerden. Das ist mein Ventil für den unglücklichen Spielverlauf, die Verletzung von Aranguiz, den späten Gegentreffer.


Wie schon das Pokalspiel habe ich auch unseren Bundesligastart im Urlaub verfolgt – in einer Sky-Bar in Binz. Das Gute daran war, dass wir nen Platz in der ersten Reihe hatten. Das Schlechte war, dass sich hinter uns eine ganze Fraktion von Gladbachern im Alter von 70+ vereinte, inklusive Ehefrauen. Dass man als Leverkusener in der Unterzahl ist, war jetzt nicht so überraschend. Dass die alten Herren jedoch so steil gingen, hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet.

Gut, ich habe sie auch ein bisschen herausgefordert. Beim zwischenzeitlichen 1:1 hat mich das Adrenalin aus meinem Barsessel springen lassen. Damit hatte ich mich geoutet und die Strafe für den Anflug von Emotionen in diesem Senioren-Trinkgelage folgte auf den Fuß: dämliche Kommentare zu jeder Spielaktion, jeder Schiedsrichterentscheidung pro Bayer und jedem gewonnen Zweikampf.

Mein Wortschatz hält für solche Fälle einige angemessene Kreationen verbaler Kommunikation bereit. Im Stadion kein Problem, in einer Bar, in der es Vollkorn-Spaghetti und 100g Schnitzel gibt, nicht so sinnvoll. Also hielt ich die Klappe und ließ es über mich ergehen.

Jetzt ist eine Nacht vergangen und es fühlt sich schon nicht mehr so schlimm an wie gestern. Die Emotionen sind ein wenig raus, die Sicht auf die Dinge hat sich geklärt und der Albtraum von den Gladbacher Doppelherz-Ultras ist auch vergessen. Nun ja, was bleibt also von diesem ersten Spieltag?

Eine Niederlage gegen einen sehr starken Gegner zum frühesten Zeitpunkt der Saison. Mehr nicht! Oder, wie es Klaus in seinem #einsatzzumspiel sagt:

„Wenn Kampl und Volland sich um den Ball und den Gegner kümmern, statt um die Entscheidung des Schiris, dann fällt das 1-0 nicht – ansonsten war die Leistung gut und die Fohlen-Elf ist ja nicht irgendeine Murmeltruppe“

Ich jedenfalls lasse mir die Euphorie und die Lust nicht nehmen. 33 Siege werden es wohl nicht, aber mit ein bisschen mehr Optimismus lassen sich solche Spiele wie gestern vielleicht ein bisschen besser ertragen.

Sicher, wir hätten unsere Euphorie und die Vorfreude gerne mit drei Punkten zum Start unterfüttert, aber dafür hatten wir zu viel Alupech und waren in den entscheidenden Momenten einfach nicht gut genug.

Es war wahrscheinlich ein Vorteil, dass die Gladbacher durch die CL-Quali schon zwei Pflichtspiele mehr hatten. Zudem fehlte uns vorne Chicharito oder ein Kieß. Volland ist ne Granate, aber er ist halt auf Zuspiele angewiesen und die kamen gestern noch nicht perfekt. Aber hey, das waren die ersten 90 Minuten der Saison und es war wohl verdammt heiß auf dem Ländle in Gladbach. Dass da nicht alles glatt läuft, ist klar.

Trotzdem habe ich mich etwas über unsere Aufstellung gewundert, genauer gesagt über die Position von Kampl. Der war mir auf Linksaußen offensiv zu sehr eingebunden. So hat er mit seiner Zweikampfstärke und Balleroberung im Zentrum gefehlt, wenn die Gladbacher ihr schnelles Umschaltspiel aufzogen. Auch wenn er kämpferisch sicher alles reingeschmissen hat, war das meiner Meinung nach die falsche Position für ihn.

Vielleicht war das auch der Verletzung von Chicharito geschuldet, so dass Bellarabi ins Zentrum gerückt ist und einer auf Außen fehlte. Wie auch immer: Das Ding ist durch und es gibt keinen Grund, irgendwie Frust zu schieben.

Ich für meinen Teil hake dieses Spiel mit den letzten Zeilen dieses Textes ab und konzentriere mich jetzt wieder darauf, den Farbton meiner Arme von Rot nicht ins Dunkelrot wechseln zu lassen.

 

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