Ein Lebenszeichen

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Das Spiel hat mich komplett geschafft. Echt, danach war ich praktisch für nichts mehr zu gebrauchen. Da war wieder alles dabei, wofür man diese Mannschaft so mag, sie andererseits aber auch gerne hin und wieder in Richtung Mond schießen möchte. Letzteres überwiegt in den vergangenen Wochen ja doch eher. Auch gestern hatte ich die Rakete quasi schon gezündet.

Ich habe nicht mehr dran geglaubt, dass wir das Ding noch drehen. Ja, so ehrlich muss ich sein. Ich meine, es stand 0:3, wir haben uns die Dinger hinten durch unfassbare Fehler wieder selber eingeschenkt, unser Coach war längst auf dem Weg nach Villarreal und der auffälligste Spieler war Sebastian Boenisch. Tut mir leid, aber deutlicher hätten die Zeichen nicht sein können.

Und gerade deswegen finde ich das Ergebnis so unglaublich. Wir müssen nicht darüber reden, dass die Leistung in der Defensive größtenteils ne Vollkatastrophe war. Trotzdem haben sich die Jungs nach dem 0:3 ne Menge Respekt verdient. Sie haben dran geglaubt und sich voll reingehängt. Das hat man gesehen, und das hat mir als Fan Mut und Spaß gemacht.
Nun darf man von hochbezahlten Fußballprofis durchaus erwarten, dass sie auch bei Rückständen nicht einfach stehen bleiben und sich ihrem Schicksal ergeben. Das ist aber auch nicht das, was dieses 3:3 in meinen Augen so besonders macht. Nein, vielmehr ist es die Tatsache, dass wir es unter den derzeitigen Voraussetzungen geschafft haben.
Wir haben richtige Dreckswochen hinter uns, der halbe Kader ist verletzt und alle Welt redet über unseren Coach. Und dann liegst du auch noch in Augsburg, einem Abstiegskandidaten 0:3 hinten. Hast also so richtig die Scheiße am Fuß.
Die diversen Journalisten der Zeitung mit vier Buchstaben hatten ihren Kommentar zum Rausschmiss von Schmidt auch schon aus der Schublade gezogen und dieses Mal mit drei statt zwei Ausrufezeichen versehen – um die Dringlichkeit der längst überfälligen Entscheidung mit den ihnen zur Verfügung stehenden journalistischen Stilmitteln zu unterstreichen.

„Und dann drehen wir das Spiel einfach mal. Aus dem Nichts. Wahnsinn! Wir müssen jetzt nicht in Jubelstürme ausbrechen, Heldengesänge komponieren oder uns den 5. März als wichtigsten Tag der jüngeren Vereinsgeschichte auf die Stirn tätowieren. Ich finde aber, wir können auf dieses 3:3 aufbauen. Wir können Mut schöpfen daraus, es gibt was her für die Moral der Truppe und macht wieder ein Stück weit Hoffnung, dass es bald besser werden könnte.“

Vielleicht schon am Donnerstag gegen Villarreal. Ich habe übrigens darüber nachgedacht, was so schlimm an Schmidts Ausflug nach Spanien sein soll. Ehrlich gesagt, habe ich keinen Grund gefunden. Was sollte er denn in Augsburg machen? Die Mannschaft durch seine Anwesenheit in der Loge unterstützen, während er in eine Weißwurst beißt? Wenn das funktioniert, dann unterstütze ich demnächst meine Frau beim Kochen in der Küche, während ich im Wohnzimmer Fernsehen gucke.
Da kann der Trainer doch lieber die Zeit nutzen und unseren nächsten Gegner beobachten. Finde ich sinnvoll. Und wer jetzt sagt: Der Schmidt lässt die Mannschaft im Stich. Woher wollt ihr denn wissen, ob er im Flieger nicht ein spontanes „Uffta“ mit den Stewardessen angestimmt hat? Kann doch sein.
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