Endlich gemeinsam!

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Letzte Woche habe ich geschrieben, dass ich meinem Sohn gerne irgendwann vom gewonnenen Endspiel gegen den FC berichten möchte. Auch wenn wir nicht als Sieger vom Platz gegangen sind, haben wir trotzdem irgendwie gewonnen: Emotional.

Mehr Gefühle als buchstaben

Es gab Momente in dieser Saison, da hatte ich keine Lust mehr aufs Schreiben. Das kommt selten vor. Denn irgendwie brauche ich Pillenliebe als Ventil für meine Gefühle, die ich mit diesem Verein teile. Wenn da Leere ist, dann ist das kein gutes Zeichen. Ich wusste aber manchmal einfach nicht mehr, was ich den Buchstaben meiner Tastatur noch Sinnvolles zur Werkself entlocken sollte. Da war nichts zu spüren.

Heute sitze ich hier und weiß gar nicht, über welches der unendlich vielen Gefühle ich schreiben soll. Vielleicht gelingt es mir auch nicht. Das fände ich aber auch nicht schlimm, weil das mit schwarzer Schrift auf weißem Grund nicht zu erklären ist. Um das zu fühlen, muss man dabei gewesen sein.

Endlich wieder leidenschaft

Das war einfach umwerfend. Ich hätte mir diesen Nachmittag nicht besser vorstellen können! Gut, ein Tor mehr für uns am Ende hätte wahrscheinlich zur kompletten Ekstase geführt. Dagegen hätte ich jetzt auch nichts einzuwenden gehabt. Viel mehr in Erinnerung als diese 90 Minuten bleiben mir aber die Szenen vor dem Spiel. Denn, wenn etwas noch wichtiger ist als das sportliche Abschneiden, dann ist das die Leidenschaft für den Verein.

Die konnte ich quasi greifen, als ich am Stadioneck stand und mir bei nem Bierchen die Gesichter der Jungs und Mädels angeschaut habe. Es ging nicht um Königsklasse oder um die Meisterschaft – es ging um die sportliche Existenz unseres geliebten Vereins. Mit mir standen hier ein paar Tausend Menschen, die genauso Schiss hatten vor diesem Spiel und dem Abrutschen auf den Relegationsplatz. Der Ärger, die Enttäuschung und der Frust der letzten Monaten waren egal. Es ging nur darum, im Hier und Jetzt zusammenzustehen. Als der Bus dann um 14 Uhr kam, habe ich nur noch geschrien. Das war Gänsehaupt pur und für mich der schönste Moment in dieser Saison! Das prägt meine Fan-Seele noch mehr als ein gewonnenes Derby.

ich habe einen Bus angebrüllt

Zum Glück hat das Spiel dann emotional da weitergemacht. Die 90 Minuten waren ein Spiegelbild dieser verkackten Saison. Obwohl, nein: Dann hätten wir das Spiel am Ende durch ein Eigentor des eben eingewechselten Roberto H. verlieren müssen. Am Samstag aber haben wir uns gewehrt und gegen die Kölner eine richtig gute Partie gezeigt. Dass der Spielverlauf mal wieder nichts für Herzkranke war, da kann ich mit leben. Wie eine dieser intelligenten Waage neulich verriet, ist mein biologisches Alter ohnehin schon kurz vor dem Rentenstatus. Danke, Bayer!

Nein, im Ernst. Ich bin heilfroh, dass diese Saison jetzt durch ist. Und jetzt habe ich ja doch noch etwas, das ich meinem Sohnemann erzählen kann: Dein Papa stand an einem Samstagnachmittag in einer Rauchwolke auf einer Straße in Leverkusen und hat einen Bus angebrüllt – mit Gänsehaut und Pipi in den Augen!

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