Nicht nur aus elf Metern eine Katastrophe

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Ich habe gestern zum ersten Mal gesehen, dass ein zwinkerndes Smiley erscheint, wenn man seine Eintrittskarte an den Scanner hält. Es gibt das OK für den Einlass ins Stadion – nach dem Motto: Du hast bezahlt, du darfst rein! Je öfter das Smiley zwinkerte, desto skeptischer wurde ich: Warum kann es nicht einfach freundlich lächeln, dieses freche gelbe Ding? Verarscht mich jetzt schon ein bekacktes Smiley, wenn es mir viel Spaß in der BayArena wünscht!? Hätte ich es nach dem Spiel irgendwo entdeckt, ich schwöre: Ich hätte es auf dem anderen Auge auch noch zum Zwinkern gebracht. 

Ihr seht: Die Nerven liegen blank. Ich versuche halt, mich mit dem Verein zu identifizieren. Wenn die halbe Mannschaft ein Fall für die Psycho-Couch ist, dann darf man sich jawohl als Fan auch von zwinkernden Smileys provozieren lassen.
Man braucht ja Ventile für das, was man da im Moment von unseren Jungs geboten bekommt. In der Halbzeitpause habe ich echt kurz überlegt, mir einen Glühwein zu holen, nur um die zweiten 45 Minuten in der Schlange stehend verpassen zu können. Diese Leistung war nichts anderes als eine Frechheit!
Wenn ich dann Julian Brandt nach dem Spiel sagen höre, dass man mit der defensiven Spielweise der Freiburger nicht gut zurechtgekommen ist, dann kriege ich Herpes (ob es bei Ralf Fährmann heute Morgen an der Lippe juckt?). Was für eine Überraschung! Jeder taktikblinde Kreisligatrainer weiß doch, dass sich vermeintlich schlechte Mannschaften gegen vermeintlich gute Mannschaften gerne hinten reinstellen.

Klaus Schenkmann: „Den Einsatz in der zweiten Halbzeit kann man sicher lobend erwähnen, allerdings kann man sich am Ende dafür leider nichts kaufen: Wenn gegen harmloseste Freiburger in den ersten 45 Minuten nicht einer auf das Tor schießt und Kies erst zum Abpfiff eingewechselt wird, dann wundert mich auch ein 11er nicht, dessen unfassbare Ausführung ich als persönliche Beleidigung empfunden habe!“  #EinSatzZumSpiel

Eine gute Mannschaft kommt damit klar und findet Mittel und Wege, diesen Abwehrriegel zu knacken. Eine Mannschaft, die keinen Plan, keine Lust, keine Ideen und kein Selbstvertrauen hat, spielt so eine erste Halbzeit gegen Freiburg. Ich frage mich: Welche taktischen Marschrouten gibt Schmidt den Jungs gegen schwächere Teams wie Frankfurt, Augsburg, Bremen und Freiburg mit auf den Weg? Es kommt mir vor, als wäre es nicht mehr als ein „Macht’s gut, wir sehen uns zum Halbzeit-Tee“.
In der zweiten Hälfte wurde es dann besser, klar. Nur gipfelte eine ansprechende Leistung wieder mal in einem psychologischen Notfall vom Elfmeterpunkt. Wenn selbst Chicharito die Hosen dermaßen voll hat, dann sagt das einiges über den mentalen Zustand unserer Mannschaft aus. Und es ist doch so: Elfmeter zu schießen, ist nicht Sache des Trainers. Elfmeter trainieren zu lassen, sehr wohl.
Es wird mir im Nachhinein aber zu viel über diese Geschichte gesprochen. Das Scheitern aus elf Metern ist peinlich und unerklärlich. Doch viel weiter würde es uns meiner Meinung nach bringen, wenn wir die Leistung der ersten Halbzeit kritisch analysieren und hinter der angekündigten Aufholjagd mehr steckt als der eigene Wunsch, dass irgendwann alles besser wird. Es muss was passieren.
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