Roger Schmidt – Einer von uns

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Ich habe gestern echt lange gebraucht, um nach dem Spiel runterzukommen. Das war einfach zu viel, was da an Ärger, Enttäuschung und Wut in meinem Kopf umherrschwirrte. Manchmal ist es einen Tag später dann so, dass ich mir eingestehen muss, aus dem Eifer des Gefechts eine etwas falsche Sicht der Dinge gehabt zu haben. Dann tun mir Sätze leid, die ich geschrieben habe. Das ist heute nicht so.

Ich bin immer noch der Meinung, dass die Aktion von Schiri Zwayer absolut übertrieben war und kann die massive Kritik an unserem Coach nicht nachvollziehen.

Ich habe mir heute Morgen verschiedene Kommentare in den üblichen Medien zu dem Vorfall durchgelesen. Eigentlich hatte jeder den gleichen Inhalt: Schmidt hat sich total daneben benommen, der Schiri hingegen hat vieles, wenn nicht sogar alles, richtig gemacht.

Foto: lev-rheinland.de

11Freunde loben gar die Aktion vom Schiri, hieven ihn fast auf Ebenen des Heldenstatus. Endlich hat mal ein Schiedsrichter Grenzen gesetzt, so konnte es ja schließlich nicht weitergehen – so mal die grobe Zusammenfassung des Textes. Sky hat ja gestern Abend schon alles für ein bestimmtes Bild in der Öffentlichkeit getan, indem die Reporter wieder und wieder die gleichen Fragen gestellt haben, um die gewünschten Antworten zu bekommen. Der Express kommentiert heute indes, Schmidt hätte uns mit der Aktion geschadet und noch mehr Sympathien verspielt, die wir doch so dringend benötigen würden.

Nun sind das alles Journalisten, die Dinge mit einer gewissen Neutralität beurteilen müssen. Daher kann man verstehen, dass sie die Aktion komplett daneben fanden. Ich bin aber kein Journalist, sondern mit ganzem Herzen Fan.

Deshalb bin ich der Meinung, dass uns als Leverkusen-Fans die angeblich verloren gegangenen Sympathien und die Schelte in den Medien sowas von am Allerwertesten vorbei gehen dürfen. Denn was uns viel wichtiger sein sollte, ist eine Identifikation mit dem Verein, Emotionen und Herzblut.

„Auch wenn die Aktion von Schmidt nicht die Sinnvollste war, so hat sie mir als Fan eins gezeigt: Dass da einer bei uns an der Seitenlinie steht, der mit jeder Faser mitgeht, mitleidet und mitfiebert. So wie wir Fans das tun. Das ist manchmal übertrieben, manchmal für Außenstehende und neutrale Beobachter nicht nachzuvollziehen, aber am Ende ist es das, was Fan-Sein und Liebe zum Verein ausmacht.“

Ich kann durchaus verstehen, wenn einige jetzt sagen: Das darf dem Schmidt aber nicht passieren, der ist Profi. Stimmt! Wie gesagt: Bei neutralen Beobachtern verursacht das, was ich hier schreibe, vermutlich nur ein kurzes Stirnrunzeln. Aber das ist mir egal.

Lasst uns doch mal über die Rolle des Schiedsrichters bei der ganzen Angelegenheit reden. Damit meine ich nicht, irgendwelche alten Artikel rauszukramen, die Zwayer in Verbindung mit Fußball-Betrüger Hoyzer stellen. Das sind alte Kamellen, die im Hier und Jetzt nur noch Öl ins Feuer gießen. Ich meine, mal ganz sachlich.

Ich würde jetzt hier über das sportliche Geschehen schreiben, wenn Zwayer die zehn Meter zu Schmidt gelaufen wäre und ihm gesagt hätte: Herr Schmidt, ab auf die Tribüne! Hätte er sich dann geweigert? Ich denke, Nein!

Felix Zwayer hielt es aber für besser, den Rahmen eines Spitzenspiels zwischen zwei Top-Mannschaften für seine Machtspielchen zu nutzen. Nichts anderes war das doch. Für mich sah das so aus, als wolle er als Vorzeige-Schiedsrichter Deutschlands, allen leidenden Unparteiischen in der Not und in Zeiten der unberechtigten Kritik und Häme ein Symbol der Hoffnung sein. Zwayer, der Retter aller Pfeifen! (ist vielleicht doch nicht so sachlich)

Ein Spiel aus so einem Grund abzubrechen, ist für mich absolut unverständlich. Kommt mir jetzt nicht mit Regelwerk und so. Dass ein Freistoß an dem Ort des Fouls ausgeführt werden muss, steht da auch drin. Und? Hält sich ja auch keiner dran. Ermessensspielraum nennt man das im Schiedsrichter-Deutsch.

Den hat Zwayer komplett für sich ausgeschöpft, als er das Spiel für neun Minuten unterbrach und damit Fußball-Geschichte schrieb. Glückwunsch!

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