Dann brauche ich nicht mehr ins Stadion zu gehen

90 Minuten purer Wahnsinn und endlich die erhoffte Reaktion der Mannschaft, aber da redet heute kaum einer drüber. So wichtig dieser Sieg auch war – er ist heute nur Nebensache. Wir wissen jetzt, dass Stefan Kießling uns womöglich in der Winterpause verlassen könnte. Das wäre unser Super-GAU, eine emotionale Bankrotterklärung an alle, die Schwarz-Rot im Herzen tragen. 

Das werden einige nicht verstehen, aber das ist okay. Chicharito ist ja schließlich jetzt da, werden sie sagen. Recht haben sie. Der Mexikaner ist aus sportlicher Sicht unverzichtbar.

Kieß ist aber viel mehr als nur ein sportlicher Faktor für diesen Verein. Er ist unser Aushängeschild, unser Gesicht, er liebt und lebt den Bayer, so wie wir Fans das tun und so wie es kein anderer Spieler tut. Wenn man ihn in Hitdorf beim Bäcker trifft, dann ist das kein schwerreicher Jung-Millionär, der zu früh zu viel Geld hatte. Der Junge ist auf dem Boden geblieben, und das macht ihn so sympathisch. Die NK12 spricht in ihrer Stellungnahme von vielen Begegnungen abseits des Platzes, in denen Kießling die Identifikation mit dem Verein, der Stadt und den Fans wie kein anderer lebt.

Quelle: Lev-rheinland.de

Die Frage ist aber: Wieviel Platz wird im Tagesgeschäft Fußball den Emotionen gelassen, wie wichtig ist es, dass ein 31-Jähriger seinen Verein liebt und sich mit dem Umfeld identifiziert? Kann das eine Rolle spielen bei der Frage: Verlasse ich den Verein, um zu spielen oder bleibe ich, schwöre die Treue und setze mich womöglich bis zum Saisonende auf die Bank?

Kieß sagt: Ich mache mir natürlich Gedanken. Das kann ich verstehen. Das gestern gegen Mönchengladbach war weltklasse, ohne Frage. Nur wissen wir alle, dass er in den vergangenen Monaten nicht diese Form hatte. Chicharito hat einfach immer weiter getroffen, und Kieß war erstmal abgeschrieben. Schon damals wird er gemerkt haben, dass seine Zeit als Stammkraft womöglich vorbei sein könnte.

Was ich damit sagen möchte: Wir müssen auch Kießlings Seite verstehen. Er ist für uns Fans überlebenswichtig. Wir brauchen ihn, weil er unsere Leidenschaft verkörpert, weil Niederlagen genauso an ihm nagen und er uns das Gefühl gibt, einer von uns zu sein. Und ich bleibe dabei: Wenn er gehen sollte, dann ist das ein schwerer Schlag. Aber: Der Junge ist erst 31. Er hat noch gute Jahre als Profi vor sich.

Er steht jetzt vor der Entscheidung, ob er beim Verein seines Herzens bleibt und riskiert, auf der Bank zu sitzen, oder uns verlässt, um woanders regelmäßig auf dem Platz zu stehen. Ich finde: Wir sind es ihm schuldig, ihm diese Wahl zu lassen. Denn eine Garantie, dass es in den nächsten Wochen und Monaten so läuft wie gestern, kann keiner geben. Und die Frage ist ja: Wollt ihr einen unglücklichen Kieß auf der Bank sitzen sehen, nur weil er uns Fans so wichtig ist? Sicher nein.

Ich gehe seit über 20 Jahren zu Spielen des SVB. Habe Vollborn, Schnix, Ramelow, Kirsten erlebt. Wegen diesen Spielern bin ich überhaupt ins Stadion gegangen. Kießling ist einer von ihnen, meine Motivation, alles für den Bayer zu geben, so wie er es tut. Und jetzt könnten wir unsere schwarz-rote Seele verlieren.

Wenn Kieß für sich entscheidet, hier weiterzumachen, dann ist das zu feiern wie einen Titel. Wenn der Verein aber die Chance verpasst, ihm und uns Fans zu zeigen, dass man sich für Legenden den Allerwertesten aufreißt, dann ist das für mich ein Grund, meine Dauerkarte abzugeben. 

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